Mit pauschalen Abständen wird man den Auswirkungen auf die Natur nicht gerecht.

Werner Neumann leitet den Bundesarbeitskreis Energie im Wissenschaftlichen Beirat des BUND und ist Mitglied des BUND-Landesvorstandes in Hessen.

Herr Dr. Neumann, welche Rolle spielt der Ausbau der Windenergie für den Klimaschutz aus Ihrer Sicht?

Im September 2017 wurde eine neue BUND Grundsatzposition zur zukunftsfähigen Energieversorgung verabschiedet. Windenergie nimmt dort zusammen mit der Photovoltaik und neben notwendigen Energieeinsparungen eine wesentliche Rolle ein. Windenergie gehört zu den erneuerbaren Energien mit den geringsten Kosten, geringstem Flächenverbrauch und kann gut durch Bürgerenergiegesellschaften realisiert werden. Im BUND-Szenario wird gezeigt, dass Wind- und Solarstrom jedes Jahr um jeweils 7 GW ausgebaut werden müssen, um die Pariser Klimaschutzziele zu erfüllen.

Wie können Naturschutz und die Planung von Windparks in Einklang gebracht werden?

Mögliche Auswirkungen auf den Naturschutz können durch sorgfältige Planung  ̶  das heißt 2% der Landesfläche als Planungsraum  ̶  und Einzelfallprüfung sowie Artenhilfskonzepte unterhalb signifikanter Auswirkungen gehalten werden. Das BUND-Szenario mit dem Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Energien besagt, dass 40.000 Anlagen an Land in Deutschland benötigt werden. Grundlage der Berechnung sind allerdings höhere Anlagen mit einer größeren Leistung als die derzeitigen 30.000 Bestandsanlagen. Mit größerer Höhe werden die Auswirkungen auf die Natur übrigens geringer werden. Mit pauschalen Abstandsradien wird man den konkreten Auswirkungen auf Natur und Arten nicht gerecht. Ebenso ist es nicht nachvollziehbar, reale Vogelschlagzahlen mit mathematischen Methoden auf das Hundertfache realer Werte hochzurechnen.

Welche konkreten Erwartungen haben Sie an die Windenergiebranche?

Die Windenergiebranche sollte stärker darstellen, wie groß ihr Beitrag zum Klimaschutz und damit auch zum Naturschutz durch die Windenergie ist. Denn Fauna und Flora können den Folgen des Klimawandels oft kaum noch folgen. Dieser Vorteil muss auch positiv gegen nicht vermeidbare aber minimierbare lokale Auswirkungen abgewogen werden.

Was möchten Sie den Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz gerne auf dem Windbranchentag gerne sagen?

Die Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz sollten sich nicht so sehr von den Windenergiegegnern beeindrucken lassen. Positiv sind hierbei die „Faktenchecks“ des Landes Hessen zu nennen.

Aber die zuständigen Ministerinnen und Minister sollten sich viel stärker vor Ort für Windenergieprojekte einsetzen, zumal Vertreter und Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von CDU und SPD vor Ort sich nicht an die einvernehmlichen Ergebnisse und Ziele des Hessischen Energiegipfels halten. Auf Ebene des Landesentwicklungsplans sollten die Weichen neu und verbessert für die Windenergie in Hessen gestellt werden. Konkret sollte dafür ein verbesserter Windenergieatlas verabschiedet, eine höhere Schwelle der Windmindestwindgeschwindigkeit von 6,25 m/s erlassen und die Rahmenbedingungen für Repowering verbessert werden.

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Der erste gemeinsame Windbranchentag Hessen / Rheinland-Pfalz bringt Windindustrie und Landespolitik aus beiden Bundesländern miteinander ins Gespräch. Über 200 Teilnehmer diskutieren dabei u.a. mit Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir über die aktu
Datum: 
29.09.2017
Ort: 
Wiesbaden
VA-Nummer: 
VA 17-13-01